Mittwoch, 10. Oktober 2012

Rezension: William Goldman - Die Brautprinzessin

Zum Schluss etwas langatmig, ansonsten recht unterhaltsam


(Quelle: Klett-Cotta Verlag)



Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 426
ISBN: 978-3608939156
Preis: 14,95 €
Erhältlich u.a. bei Amazon: http://amzn.to/QsoxXn

Zum Inhalt:
In diesem Buch erzählt der Autor über seine Kindheitserinnerung, die das Märchen "Die Brautprinzessin" beinhaltet. Denn als er als kleiner Junge mit einer Lungenentzündung krank im Bett lag, las ihm sein Vater das Märchen "Die Brautprinzessin" vor. Und obwohl William Goldman bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich viel mit Büchern am Hut hatte, war er von dieser Geschichte total fasziniert. Und da ihn dieses Geschichte nie wirklich losgelassen hat, möchte er jetzt - als erwachsener Mann -, dass sein Sohn, der im gleichen Alter ist wie er damals, ebenfalls dieses Märchen kennenlernt. Doch dieser bricht nach dem ersten Kapitel das Buch ab, da er es einfach langweilig findet. Für William Goldman ist das unvorstellbar. Und um in alten Erinnerungen zu schwelgen, greift er einfach selbst zu dem Buch - und muss feststellen, dass der Inhalt des Buches nicht mit dem übereinstimmt, was sein Vater vorgelesen hat. Denn der hat einfach mal die langweiligen Stellen im Buch weggelassen. 
Damit es niemanden mehr so geht wie seinem Sohn, hat sich William Goldman vorgenommen, das Buch "Die Brautprinzessin" zu überarbeiten und das Märchen - lediglich aus den spannendsten Stellen bestehend - neu herauszubringen. Soviel zur Einleitung bzw. Drumherum-Geschichte. 
In dem Märchen selbst geht es natürlich um die Liebe zwischen Butterblume und Weasley, die immer wieder Höhen und Tiefen erlebt. Es gibt den bösen Prinz Humperdick, der nur auf Macht und Krieg aus ist und nichts gutes im Schilde führt und es gibt Menschen wie Inigo und Fezzik, über die man vielleicht nicht so schnell sein Urteil fällen sollte. Kurz gesagt: In diesem Märchen ist wirklich alles vorhanden was ein echtes Märchen benötigt. Und als kleine Zugabe ist es mit farblich hervorgehobenen Kommentaren des Autors gespickt.

Meine Meinung:
Ich gebe ehrlich zu, dass ich - während ich dieses Buch gelesen habe - überlegt habe, ob es diesen S. Morgenstern wirklich gegeben hat und ob die ganze Geschichte wirklich so stimmt. Als ich das Nachwort gelesen habe sowie die Geschichte rund um die Fortsetzung, habe ich schon meine Zweifel bekommen, aber wirklich sicher war ich immer noch nicht. Daher muss ich wirklich sagen, dass die Idee, dieses Buch so umzusetzen verdammt gut war. Die Umsetzung selbst hingt jedoch der Idee hinterher. Mehr dazu erfährt ihr aber weiter unten.

Das Märchen an sich war wirklich gut. Es war recht unterhaltsam und hat mir den einen oder anderen Schmunzler entlockt. Besonders witzig fand ich immer die Bemerkungen, die in Klammern in den laufenden Text eingefügt wurden. Die waren teilweise wirklich zum Brüllen komisch. 
Hauptsächlich geht es in dem Märchen natürlich um die Liebe zwischen Butterblume und Weasley, aber auch Inigo und Fezzik dürfen ihre Geschichte erzählen, so dass immer wieder ein wenig Abwechslung in die Geschichte kommt, ohne dass man als Leser irgendwie mit den verschiedenen Erzählsträngen durcheinander kommen.
In dem Märchen war auch Spannung vertreten, man hat mit den Charakteren mitgefiebert und hat sich auch teilweise mit ihnen "angefreundet". Gut, Butterblume hat meistens wirklich das "naive Blondchen" verkörpert, aber was sollst. Sie war trotzdem auch auf ihre Art sympathisch. Mein Favorit ist ja Fezzik. Er ist ebenfalls nicht wirklich helle, aber dafür hat er meiner Meinung nach ein Herz aus Gold und ist manchmal einfach nur zum Knuddeln. Ich bin der Meinung, wenn eine solche "Beziehung" zwischen dem Leser und den Charakteren in einem Buch entsteht, dann zeigt es doch, dass die Geschichte nicht schlecht sein kann.

Die Kommentare von William Goldman während dem Märchen waren manchmal recht unterhaltsam, jedoch waren ein paar dabei, die meiner Meinung nach total unnötig oder - noch schlimmer - total deplatziert waren, da sie dem Leser VORHER schon verraten haben was in den nächsten Zeilen passiert. Hätte man die Kommentare nicht sinnvollerweise danach gemacht? So nimmt man dem Leser doch total die Spannung. Und die Kommentare waren für den Verlauf der Geschichte nicht wirklich entscheidend, so dass man sie auch später hätte bringen können.

Kommen wir noch mal zur Idee bzw. Umsetzung der Drumherum-Geschichte. Eigentlich hätte ich dem Buch bzw. dem Märchen gerne vier Sterne gegeben, jedoch hat mich das Nachwort bzw. die Geschichte rund um die Fortsetzung des Märchens so gelangweilt, dass ich lediglich 3 Sterne vergeben kann. Der Autor hätte das Buch einfach nach dem Märchen beenden sollen. Von mir aus wären auch noch ein paar Danksagungen okay gewesen. Aber nicht mehr! Ich frag mich was der Autor sich dabei gedacht hat? Man hat doch über ihn und sein Leben im Vorwort (was fast 40 Seiten umfasst) schon genug erfahren. Es muss nicht unbedingt noch mehr sein. Auch die Geschichte rund um die Fortsetzung von "die Brautprinzessin" war nicht wirklich unterhaltsam (und teilweise unglaubwürdig, besonders was den Autorenkollegen angeht). Und zum krönenden Abschluss bekommt der Leser noch das ersten Kapital der Fortsetzungsgeschichte präsentiert. Doch leider gibt es keine Fortsetzung (ich habe mal keine gefunden)!! Das heißt, der Leser wird mitten in einer Geschichte zurückgelassen und soll sich wohl den Rest selbst zusammenfantasieren. Also, für mich ist das ein absolutes No-Go! Deshalb muss ich diesem Buch leider einen Stern abziehen, obwohl das Märchen an sich wirklich vier Sterne verdient hätte.

Mein Fazit:
Die Idee und das Märchen sind wirklich gut, jedoch ist die "Lebensgeschichte" des Autors, die das Märchen umfasst, einfach zu langatmig und leider auch zu oft zu langweilig.

Zum Schluss möchte ich noch dem Klett-Cotta Verlag danken, der mir dieses Buch zum Rezensieren zur Verfügung gestellt hat.

Bewertung: 
(3 von 5 Sterne)

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