Sonntag, 7. Mai 2017

Rezension: David Foenkinos - Das geheime Leben des Monsieur Pick

Ein wundervolles Buch


(Quelle: Amazon)


gebunden
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Seiten: 336
ISBN: 9783421047601
Preis: € 19,99
Erhältlich u.a. bei Amazon: http://amzn.to/2pF7EkM

 
Zum Inhalt:
 
In einem kleinen Ort in der Bretagne gibt es eine ganz besondere Bibliothek, die abgewiesenen Manuskripte ein letztes Zuhause gibt. Doch manchmal hat das Schicksal etwas anderes vor, z.B. mit dem Manuskript des verstorbenen Monsieur Pick, welches der Lektorin Delphine in die Hände fällt. Anstatt die letzten Tage in der Bibliothek von Finistère zu verbringen, wird dieses Buch veröffentlicht - und wird ein voller Erfolg! In dem kleinen Ort ist nichts mehr wie vorher und das Schicksal hat für den einen oder anderen Dorfbewohner noch eine Überraschung parat...
 
 
Meine Meinung:
 
Gleich zu Beginn möchte ich einfach sagen, dass mir dieses Buch wirklich gut gefallen hat. Seit langem hat es ein Buch mal wieder geschafft, mich zu fesseln und in seinen Bann zu ziehen. Dafür möchte ich dem Autor einfach danken!
Schon nach den ersten Seiten merkt man, dass dieses Buch durch und durch französisch ist. Im positiven Sinne! Diese Leichtigkeit, mit der der Autor es schafft, den Leser schon nach wenigen Zeilen, für Frankreich, insbesondere für die Bretagne, und für die Menschen, die dort leben, zu begeistern, ist meiner Meinung nach wirklich eine Kunst, die nicht jeder Autor beherrscht. Man will selbst nach Finistère, um alles selbst war zunehmen, um alles selbst zu fühlen, zu sehen, zu hören und natürlich um die Charaktere alle selbst kennenzulernen. 
Letzteres gerade auch deswegen, weil man über manche Charaktere meiner Meinung nach zu wenig erfährt. Z.B. hätte ich gerne mehr über Delphine erfahren, die mir als Charakter am sympathischsten war. Gerne hätte ich mehr über ihre Gefühlswelt und ihre Gedanken erfahren. Was ich von ihrem Freund Frédéric leider nicht behaupten kann. Er hat es das ganze Buch über nicht geschafft, mir nur ansatzweise sympathisch zu sein. Für mich war einfach zu sehr auf sich selbst bezogen - alles hat sich für ihn nur um sich selbst gedreht.
 
Zur Geschichte selbst möchte ich gar nicht so viel sagen, um nicht zu viel zu verraten. Trotzdem möchte ich noch erwähnen, dass ich den Gedankengang des Autors, dass ein positiven Ereignis, nicht immer ein besseres Leben für die Beteiligten bedeutet, wirklich gut fand. Wenn unsere Träume in Erfüllung gehen (was wir ja immer hoffen), heißt es dann auch gleichzeitig, dass es immer gut für uns ist? Ich würde die Frage aufgrund des Buches und auch aufgrund eigener Lebenserfahrung verneinen. Der Autor hat es in seinem Buch geschafft, diesen Gedanken wirklich einfühlsam dem Leser zu übermitteln. Man fängt nach der Lektüre des Buches wirklich an, sich Gedanken zu machen, ob das Leben was man jetzt lebt, vielleicht gar nicht mal so schlecht ist. Braucht man wirklich mehr?
Ich finde es auch faszinieren, wie die Entdeckung des Manuskripts den Alltag und die Lebensgeschichte der Menschen in der näheren Umgebung doch so beeinflussen kann. Die vielen kleinen Geschichten, die der Autor rund um die Entdeckung des Manuskripts erzählt, sind für mich noch nicht mal unrealistisch, sondern absolut nachvollziehbar.
 
Ein weiterer Pluspunkt des Romans war für ich, dass es in dem Buch um Bücher ging. Dies bedeutet nicht, dass alle Bücher zu diesem Thema gleich eine gute Bewertung von mir bekommen. Ich habe schon einige Bücher gelesen, in denen es um Bücher ging, die mir leider gar nicht gefallen haben. Dieser Roman gehört aber definitiv zu einem wirklich lesenswerten Exemplar aus dieser Sparte. Und auch wenn dieses Thema nicht explizit im Vordergrund des Romans stand, war es für mich ein wesentlicher Baustein, der dieses Buch so gut gemacht hat.
 
Wie bereits erwähnt, hat dieses Buch einen ganz besonderen Charme. Man muss es einfach genießen. Am liebsten hätte ich das Buch abends im Garten, wenn die Sonne gerade untergeht, bei einem guten Glas Wein gelesen. Das hätte einfach wunderbar gepasst (leider hat das Wetter nicht mitgespielt). Zum Genießen gehört für mich auch dazu, dass ein Buch langsam gelesen wird, was bei diesem Buch meiner Meinung nach zwingend erforderlich ist. Man hat das Gefühl, dass jede Zeile, jeder Satz, so gewichtig ist, dass man nicht einfach darüber weg lesen darf. Man kann fast sagen, dass dieses Buch dem Leser das Tempo vorgibt.
Und auch wenn man mal ein paar Tage nicht zum Lesen kommt, schafft es dieses Buch, den Leser direkt wieder gefangen zu nehmen, ohne dass man lange überlegen muss, was war nochmal passiert. Man ist direkt wieder drin in der Geschichte.
 
Auch wenn ich so begeistert von dem Buch bin, gibt es leider einen kleinen Kritikpunkt, den  ich nicht unerwähnt lassen möchte. Wie man wohl bereits gemerkt hat, hat mir der Roman wirklich gut gefallen, doch leider hatte das Buch so ab der Mitte ein klein wenig von seinem Zauber verloren. Irgendwie hat der Autor meiner Meinung nach sich zu sehr auf gewisse Charaktere und deren Leben konzentriert, was für mich teilweise zu lang war. Da hatte man wirklich das Gefühl, dass der Autor ein paar Lieblingscharaktere hat, über die er gerne schreibt, nur leider ist das ein wenig ausgeartet. Zum Ende hin wurde es wieder etwas besser.
 
 
Mein Fazit:
 
Der Autor hat mich mit diesem Buch einfach verzaubert. Ich kann es jedem nur empfehlen.
 
Meine Bewertung:
(4 von 5 Sterne)

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