Sonntag, 12. August 2018

Rezension: Gilly Macmillan - Bad Friends: Was habt ihr getan?

Das Ende konnte nicht überzeugen
 
 
 
broschiert
Verlag: Knaur TB
Seiten: 416
ISBN: 978-3426522585
Preis: € 14,99
 
 
Zum Inhalt:
 
Noah und Abdi sind die besten Freunde, auch wenn ihre Freundschaft etwas ungewöhnlich ist. Noah ist krebskrank und Abdi ist ein somalischer Flüchtling. Trotz allem sind die beiden unzertrennlich - bis zu dieser einen Nacht, in der Noah bewusstlos aus dem Feeder Canal gezogen und im Krankenhaus ins künstliche Koma versetzt wird. Bei ihm war Abdi, der seit diesem Vorfall aber kein Wort mehr gesprochen hat. Der Ermittler Jim Clemo setzt alles daran, um den Fall zu lösen und damit auch seine eigenen bösen Geister zu bezwingen.
 
 
Meine Meinung:
 
Die Geschichte rund um Noah und Abdi, die in der Kurzbeschreibung kurz angerissen wird, ist nicht die einzige, um die es in diesem Buch geht. Auch geht es um das Leben von Abdis Familie, kurz bevor diese von Somalia nach England kommt. Somit hat man im Verlauf des Buches immer zwei Handlungstränge, die man als Leser verfolgt - immer mit der Frage, wie das alles zusammen gehört.
Denn als Leser tappen wir genauso wie der Ermittler Jim Clemo im Dunkeln. Man erfährt also wirklich erst ganz am Schluss, was auf dem Schrottplatz am Fluss passiert ist. Mir gefällt es, wenn die Story so aufgebaut ist, da man immer mit rätseln kann und nie genau weiß, welche Wendung auf der nächsten Seite plötzlich auftaucht.
Während Jim Clemo versucht alles zu rekonstruieren und Zeugen befragt, lernen wir nebenbei auch Abdis Familie kennen. Dadurch, dass die Autorin die Erzählperspektiven immer wieder ändert, bekommen wir die Familiengeschichte aus drei verschiedenen Sichtweisen erzählt: von der Schwester, der Mutter und dem Vater. Ab und zu schwenken wir aber auch wieder zu Noah, zu dessen Eltern oder zu Jim Clemo. Da nicht immer klar ist, wer jetzt gerade seine Story erzählt, dauert es immer ein wenig, bis man wieder in der Geschichte drin ist. Das hätte die Autorin meiner Meinung nach besser lösen müssen, da es für mich irgendwie den Lesefluss gehemmt hat.
 
Dadurch das neben dem Vorfall am Fluss auch viel über Abdis Familie erzählt wird, bin ich die ganze Zeit davon ausgegangen, dass beides irgendwie miteinander zusammenhängt. Wie genau, wusste ich natürlich nicht. Leider muss ich sagen, dass das Ende der Geschichte für mich jetzt nicht so ausgegangen ist, wie erwartet. Ich hatte mir irgendwie ein spektakuläreres Ende vorgestellt. So wurde ich leider ein wenig enttäuscht, weil die Autor es ja während des Buches auch geschafft hat, die Spannung aufrecht zu halten und den Leser dadurch animieren konnte, immer weiter zu lesen.
 
Zunächst war ich mir nicht sicher, warum die Autorin eigentlich das Thema "Flüchtling" im Buch mit aufnehmen wollte, weil in meinen Augen hätte die Geschichte rund um Noah und Abdi auch ohne diesen Punkt funktionieren können.
Dann habe ich mir nochmal die Kurzbeschreibung zu dem Buch im Internet durchgelesen und da ist mir aufgefallen, dass da viel mehr auf das Thema Fremdenfeindlichkeit Bezug genommen wird als im Buch selbst. Anscheinend wollte die Autorin dieses aktuelle Thema in das Buch mit einarbeiten, um zu zeigen, dass für die Allgemeinheit Abdi als Flüchtling für die Vorkommnisse am Fluss der Schuldige ist. Nur leider ist dieser Punkt in dem Buch so gar nicht rausgekommen. Es wurde zwar immer wieder dieses Thema aufgegriffen, aber nur andeutungsweise und nicht mit genug Nachdruck. Wenn die Autorin mit dieser Idee dem Leser zeigen wollte, wie manche Menschen über Flüchtlinge denken, dann hätte sie das viel mehr herausarbeiten müssen. Für mich war es einfach zu wenig, zu unterschwellig. Hier wäre "mehr" besser gewesen, denn man muss unsere Gesellschaft regelrecht auf ihre Fehler hinstoßen und nicht nur leicht schupsen.   
Natürlich kann man dann auch nachvollziehen, warum die Autorin so viel über die Flucht aus Somalia nach England, über den Aufenthalt in dem Flüchtlingslager sowie über das nicht ganz leichte Leben der Familie in England schreibt. Einfach um uns zu zeigen, dass die Menschen, die zu uns kommen, schon viel schlimmes erlebt haben. Man merkt einfach, dass dieses Thema der Autorin wichtig war, nur leider ist im Buch dann der ursprüngliche Handlungstrang ein wenig in den Hintergrund gerutscht und ich als Leser habe dadurch einfach gedacht, dass Abdis Familiengeschichte auch etwas mit dem Vorfall am Fluss zu tun hat. So hatte ich mich dann in etwas hinein gesteigert und ein fulminanteres Ende erwartet, als ich dann schlussendlich bekommen habe. 
 
 
Mein Fazit:
 
Das Buch beginnt ziemlich gut, die Spannung steigert sich im Verlauf des Buches, um dann aber am Ende des Buches meine Erwartungen nicht zu erfüllen.
 
Vielen Dank noch an den Knaur Taschenbuch-Verlag, der mir dieses Buch zum Rezensieren zur Verfügung gestellt hat.
 
Meine Bewertung:
(3 von 5 Sterne)

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